eröffnungsrede zur ausstellung "marille singer 2009" in der

maximilians-augenklinik nürnberg

silke winkler, kunsthistorikerin M.A.
13. mai 2009

Sehr geehrte damen und herren,
„marille singer 2oo9“ - so kurz und prägnant kann ein ausstellungstitel sein. Und dieser sehr offene titel passt ausgezeichnet zu unserer künstlerin.
Denn ihr name steht für vielseitigkeit. Ihre midissage hier in der maximilians-augenklinik gibt davon ein eindrucksvolles zeugnis.
Neben arbeiten in aquarell, öl und acryl werden farbradierungen und mischtechniken gezeigt. Auch in thematischer hinsicht sind die von m.s. Hervorgebrachten werke ganz unterschiedlich. Die vielseitig begabte künstlerin beschäftigt sich mit den themen mensch, landschaft, architektur und stillleben.
Und diese themen bettet sie in immer verschiedene kontexte ein.
Mit den auf dieser abteilung gezeigten gemälden entführt uns die in altenstadt lebende künstlerin in eine andere welt. Die eigens für diese ausstellung geschaffenen werke wirken in der tat befremdlich. Denn sie zeigen verhüllte gestalten, die einem anderen kulturkreis angehören. Diese in statuarischer ruhe verweilenden frauen sind das großartige relikt einer unvergessenen reise, die zuerst nach dubai und dann in den oman führten.

Und dabei hatte m.s. gar nicht vorgehabt, die auf dieser reise gesammelten eindrücke in form von kunstwerken zu verarbeiten. Doch immer wieder tauchten die tief verhüllten gestalten vor dem geistigen auge der künstlerin auf. Und so gab sie sich eines tages geschlagen und begann die arabischen frauen in form von wandelnden säulen auf die leinwand zu bannen.
Das erste gemälde, das sich mit dieser thematik auseinandersetzt, befindet sich in diesem gang. Es zeigt drei verhüllte gestalten vor einer stilisierten architektur.
Die frauen tragen helle gewänder. Ihre gesichter bleiben dem betrachter verborgen. Die schwarze fläche im hintergrund steht stellvertretend für die dunklen gewänder der in dubai beheimateten frauen. Dieses werk ist der zaghafte beginn einer eindrucksvollen gemäldereihe. Die im anschluss daran hervorgebrachten werke werden von frauen in dunklen und schweren gewändern beherrscht. Danach kleidet m.s. Ihre tief verhüllten gestalten in bunte farbgewänder. Dieser augenfällige farbenwechsel deutet einen
ortswechsel an. Das dunkle kolorit steht für dubai. Die sehr viel freundlicher wirkenden farben stehen für den oman. Darin spiegelt sich die von m.s. In diesem land erlebte herzlichkeit wider.
Doch egal ob nun dubai oder oman. Die aus dieser reise resultierenden werke sind mehr als bemerkenswert. Die mit intuitiver sicherheit auf die leinwand gebannten gestalten stehen vor einem körnigen hintergrund, der aus spachtelmasse und arabischen wüstensand besteht. Auch die von den frauen getragenen gewänder besitzen eine haptische struktur.

Inhalt und form gehen damit eine spannungsgeladene verbindung ein. Die von den einzelnen gestalten ausgehende ruhe wird durch haptisch gestaltete oberflächen belebt. Das resultat sind in sich ruhende werke, die voller kraft und expressivität stecken.
Wenn man nun diese gemälde mit den anderen arbeiten von m.s. vergleicht, mag man es gar nicht glauben, dass sie alle von ein und derselben künstlerin stammen.
Ihre aquarelle sind weich konturiert und bestechen durch zarte farbübergänge. Die auf diese weise entstehenden landschaften, architekturen und stillleben sind von einer beeindruckenden leichtigkeit.
Die im zweiten stock präsentierten farbradierungen von marille singer sprechen abermals eine andere sprache. Feine und kantig gestaltete linien treffen auf
flächige farbpartien. Diesen eindimensional angelegten werken haftet etwas kindliches und damit etwas sehr ursprüngliches an.

Sehr geehrte damen und herren,
genießen sie diese sehr vielseitige ausstellung, die sich über vier etagen zieht.
Auf jeder etage gibt es eine andere marille singer zu sehen. Also keine scheu vor treppen und aufzug, denn nur so können sie das gesamtwerk unserer künstlerin kennen lernen.

zuletzt geändert am 24. juni 2009